Diese Botschaft erreichte mich in den letzten zwei Tagen mehrmals.
Wer kennt das auch?
Aus tiefster Liebe und aus Mitgefühl für einen Menschen heraus, ihm sein Leid, seinen Schmerz, seine Ohnmacht und seine Wunden abnehmen zu wollen – oder es sogar zu tun. Vielleicht jahrelang.
Vielleicht ist es einigen ähnlich ergangen wie mir, deshalb erzähle ich an dieser Stelle etwas sehr Persönliches.
Ich kenne einen Menschen seit knapp 20 Jahren.
Aus tiefer Liebe zu ihm habe ich viele Jahre meines Lebens versucht, ihm zu helfen. Als ich ihn kennenlernte, war er anders. Jahre später traf er eine Entscheidung und stieg in ein Feld ein, das ihn ein Stück weit von mir entfernte.
Damals wusste ich noch nichts von meiner Medialität. Ich fühlte mich lediglich gut geführt von oben – ohne Wissen um mein geistiges Team und all das Drumherum.
Doch als dieser Mensch dieses Feld betrat, spürte ich, dass mir ein Teil von ihm plötzlich verschlossen war. Als wäre dieser Teil von dem Feld, das er beruflich gewählt hatte, verschluckt worden.
Ich empfand eine große Trauer und weinte tagelang, ohne zu wissen, warum.
Rückblickend erkenne ich:
Diese damalige, unbewusste Wahrnehmung – stark vom Hellwissen geprägt – war richtig.
Im Laufe der Jahre nahm dieses Feld immer mehr Raum in seinem Leben und Energiesystem ein. Seine sprudelnde, begeisterte Natur wandelte sich in eine zähe, langsame, schwerfällige Art.
Ich blieb meiner ersten Wahrnehmung treu – dem Menschen, wie ich ihn aus der Zeit vor dieser Entscheidung kannte.
Ich sehe immer das Potenzial. Und ich orientiere mich daran.
Und doch stellt sich die Frage:
Was ist, wenn dieses Potenzial einem Menschen abhandenkommt?
Wenn er sich so sehr von sich selbst entfernt hat, dass er nicht mehr weiß, wer er eigentlich ist?
Ein solcher Mensch war auch mein Vater.
Kriegskind, in den ersten zarten Lebensjahren schwer traumatisiert. Er trug eine Wunde, die ihn im Laufe seines Lebens innerlich immer mehr zerfraß. Er wurde süchtig, lenkte sich und seinen Geist ab, betäubte seine Emotionen – und öffnete damit Tür und Tor für Wesen, die immer wieder die Überhand gewannen.
Und somit entfernte er sich immer mehr von seinen eigentlichen Lebenszielen - es entstand eine Sinnlosigkeit. (diese Ausage ist mit meinem Vater aus dem Jenseits abgesprochen und bestätigt).
Gewalt nach außen wurde über Jahre hinweg schließlich Gewaltnachinnen.
Und so endete sein Leben im Suizid.
Und doch:
Die Freiheit des Menschen ist unantastbar.
Jede Seele hat die Freiheit zu entscheiden,
wie sie leben will,
was sie erfahren möchte,
wie lange sie leben möchte.
Es steht niemand anderem zu, ihr das abzunehmen, es zu verändern oder zu verhindern – auch nicht aus Liebe.
Denn verborgen hinter der Liebe liegt manchmal eine tiefe eigene Ohnmacht.
Man hält den Zustand des geliebten Menschen nicht aus.
Es geht einem selbst schlecht für den anderen.
Und um dieser Ohnmacht zu entkommen, beginnt man zu helfen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, Dinge zu übernehmen – vielleicht sogar jahrzehntelang.
Und bitte:
Wer sich hier wiedererkennt, kippe nicht in Scham oder Schuldgefühle.
Es ist normal. Es ist kein Fehler.
Es ist eine wertvolle Erfahrung, die sowohl dir als auch dem Geliebten viel gelehrt hat.
Doch es kann sich so entwickeln, dass du immer mehr übernimmst – und der andere immer weniger.
Es entsteht eine subtile, aber sehr feste Abhängigkeit.
Der andere hört allmählich auf, sich um seine Themen zu kümmern, sich anzustrengen, Verantwortung zu übernehmen – und wird immer apathischer.
Während du immer erschöpfter wirst.
Denn du hast ja parallel auch dein eigenes Leben.
Ein großes Ungleichgewicht entsteht – für beide.
Die Vorwürfe und die Anklagehaltung, die aus diesem Ungleichgewicht entstehen helfen auch nicht weiter.
Daraus herauszufinden ist nicht leicht.
Was machst du?
So weiter? Den Abgrund entgegen?
Oder gehst du?
Innerlich? oder äußerlich?
Wie gibst du dem anderen wieder sein eigenes Ruder in die Hand, ohne selbst unterzugehen und dich ihm abzuwenden?
Geht ein Miteinander noch? – oder nur dann, wenn du dein eigenes 100 % trägst und zusätzlich seine 50 %?
Geht es hier um leben und leben lassen?
Und dann wird klar: Wahre Hilfe ist anders.
Es ist, dem anderen zuzutrauen, dass er sein eigenes Leben bewältigen kann.
Mitfühlend zu sein, ohne in Ohnmacht zu geraten, ohne Vorwürfe, ohne Erwartungen und Zwang.
Ich teile, was ich wahrnehme mit,
achte auf mich selbst,
spüre, was mir guttut und
wo meine Grenzen liegen.
Gehe ich dabei zugrunde?
Dann gehe ich lieber meinen Weg alleine weiter – aus Verantwortung mir selbst gegenüber.
Schaffe ich es, neben ihm zu bleiben,ohne mich in unermüdlicher Hilfe zu verlieren, ohne meinen eigenen Weg zu vergessen, ohne das Leben des anderen zu übernehmen?
Wenn ja, bleibe ich in Freiheit – und ermögliche ihm Freiheit zugleich.
Ob und wann er diese annimmt, bleibt ihm weiterhin überlassen.
Das ist die wahre Kraft. Sie kurbelt Entwicklung an, macht Wunder möglich und verwandelt Stillstand in Erblühen.
Kommentare